Dies ist ein Beitrag von Dr. Molitor von dem Gartenbauinstitut der Forschungsanstalt Geisenheim zum Thema Leitfähigkeit und Dünger.
Der Nährstoffbedarf von Orchideen wird im Hobbybereich, und nicht nur dort, häufig unterschätzt. Dies gilt zumindest für die am häufigsten vorkommenden Orchideengattungen, wie Phalaenopsis, Dendrobien und andere. Eine ganze Reihe Düngungsversuche in Versuchseinrichtungen bestätigen dies. Auch die Titel diesbezüglicher Veröffentlichungen, wie beispielsweise „Orchideen nicht verhungern lassen“ (GRANTZAU 2007; Deutscher Gartenbau 61(15), S. 16-17) oder „Phalaenopsis gut ernähren“ (AMBERGER-OCHSENBAUER 1996; Gärtnerbörse 96(44); S. 2128-2130) weisen darauf hin. Nährstoffkonzentrationen auf Basis von 100 bis 140 mg N/l sind durchaus angebracht. Dies gilt umso mehr, als Orchideen Substrate zumeist grob strukturiert sind. Das bedeutet, dass wenig Wasser und damit wenig Nährstoffe bei einem Gießvorgang im Substrat hängen bleiben.
100-140 mg N/l bedeuten im allgemeinen Leitfähigkeitswerte der Nährlösung von über 1000 bis etwa 1500 µS. Das ist also völlig in Ordnung. Es ist auch unschädlich, wenn die Leitfähigkeit des Gießwassers hinzukommt. Für die Pflanze ist entscheidend die Nährstoffkonzentration. Beim Leitungswasser wird die Leitfähigkeit meist durch Calcium, Magnesium, Hydrogencarbonat und durch Sulfat bewirkt. Alles Ionen, die von der Pflanze in hoher Konzentration problemlos vertragen werden. Anders verhält es sich, wenn das Leitungswasser nennenswerte Gehalte an Natrium und Chlorid enthält. Es kommt also auf den Einzelfall an.
Noch eine Bemerkung zum häufig verwendeten Regenwasser. Regenwasser enthält weder Calcium noch Magnesium. In handelsüblichen Flüssigdüngern sind Calcium und Magnesium nicht enthalten. Das hat technische Gründe, weil sonst Phosphat nicht in Lösung gehalten werden kann. Diese Nährstoffe müssen deshalb über das Gießwasser verabreicht werden, was bei Regenwasser nicht der Fall ist. Somit ist die Pflanze auf den geringen Vorrat im Substrat angewiesen, der bald erschöpft ist. Dies gilt besonders dann, wenn regelmäßig getaucht wird. Die Verwendung von Regenwasser erfordert deshalb eine spezielle Düngestrategie unter Verwendung von Kalksalpeter. Calcium ist ein Makronährstoff, wird demzufolge vergleichsweise großer Menge von der Pflanze benötigt wird. Zumindest ein Verschneiden des Regenwassers mit Leitungswasser sollte deshalb ernsthaft in Betracht gezogen werden.
