Leitfähigkeit und Dünger
01.02.2010Dies ist ein Beitrag von Dr. Molitor von dem Gartenbauinstitut der Forschungsanstalt Geisenheim zum Thema Leitfähigkeit und Dünger.
Der Nährstoffbedarf von Orchideen wird im Hobbybereich, und nicht nur dort, häufig unterschätzt. Dies gilt zumindest für die am häufigsten vorkommenden Orchideengattungen, wie Phalaenopsis, Dendrobien und andere. Eine ganze Reihe Düngungsversuche in Versuchseinrichtungen bestätigen dies. Auch die Titel diesbezüglicher Veröffentlichungen, wie beispielsweise „Orchideen nicht verhungern lassen“ (GRANTZAU 2007; Deutscher Gartenbau 61(15), S. 16-17) oder „Phalaenopsis gut ernähren“ (AMBERGER-OCHSENBAUER 1996; Gärtnerbörse 96(44); S. 2128-2130) weisen darauf hin. Nährstoffkonzentrationen auf Basis von 100 bis 140 mg N/l sind durchaus angebracht. Dies gilt umso mehr, als Orchideen Substrate zumeist grob strukturiert sind. Das bedeutet, dass wenig Wasser und damit wenig Nährstoffe bei einem Gießvorgang im Substrat hängen bleiben.
100-140 mg N/l bedeuten im allgemeinen Leitfähigkeitswerte der Nährlösung von über 1000 bis etwa 1500 µS. Das ist also völlig in Ordnung. Es ist auch unschädlich, wenn die Leitfähigkeit des Gießwassers hinzukommt. Für die Pflanze ist entscheidend die Nährstoffkonzentration. Beim Leitungswasser wird die Leitfähigkeit meist durch Calcium, Magnesium, Hydrogencarbonat und durch Sulfat bewirkt. Alles Ionen, die von der Pflanze in hoher Konzentration problemlos vertragen werden. Anders verhält es sich, wenn das Leitungswasser nennenswerte Gehalte an Natrium und Chlorid enthält. Es kommt also auf den Einzelfall an.
Noch eine Bemerkung zum häufig verwendeten Regenwasser. Regenwasser enthält weder Calcium noch Magnesium. In handelsüblichen Flüssigdüngern sind Calcium und Magnesium nicht enthalten. Das hat technische Gründe, weil sonst Phosphat nicht in Lösung gehalten werden kann. Diese Nährstoffe müssen deshalb über das Gießwasser verabreicht werden, was bei Regenwasser nicht der Fall ist. Somit ist die Pflanze auf den geringen Vorrat im Substrat angewiesen, der bald erschöpft ist. Dies gilt besonders dann, wenn regelmäßig getaucht wird. Die Verwendung von Regenwasser erfordert deshalb eine spezielle Düngestrategie unter Verwendung von Kalksalpeter. Calcium ist ein Makronährstoff, wird demzufolge vergleichsweise großer Menge von der Pflanze benötigt wird. Zumindest ein Verschneiden des Regenwassers mit Leitungswasser sollte deshalb ernsthaft in Betracht gezogen werden.










Ich teile Ihre Meinung, dass Orchideen regelmässig mit Nährsalzen versorgt werden müssen, um sie nicht verhungern zu lassen. Ich bin jedoch erstaunt über die doch relativ hohen Konzentrationen, die sie den Orchideen (dauerhaft?) zumuten wollen. Es gibt sehr fundierte Testreihen aus der Biologischen Forschungsanstalt Weihenstephan z.B.die über Jahre verschiedene Orchideenarten und -gattungen untersucht haben. Diese Ergebnisse sind heute die Grundlage jeder Orchideenkultur oder sollten es zumindest sein. Danach wurde zum einen eine für Orchideen verträgliche und notwendige Konzentration an Nährsalzen gefunden und auch die Nährstoffverhältnisse zueinander wurden bestimmt!
Sehr gut finde ich Ihren Hinweis auf Calciumnitrat. Aufgrund der Tatsache, dass heute neutrale Substrate wie Pinienrinde und nicht mehr saure wie Torf eingesetzt werden, ist ein Aufkalken nicht mehr nötig. Somit fehlt Calcium, was auch wie Sie richtig schreiben nicht durch Dünger geliefert werden kann (Festlegung, allerdings gibt es Dünger mit sogenanntem Superphosphat (ammoniumctratlöslich) die Calcium (aus Apatit) aufgeschlossen enthalten für Orchideen jedoch völlig ungeeignet).
Verschneidung mit Leitungswasser ist nicht unbedingt empfehlenswert, insbesondere wenn die Orchideen aufgebunden werden. Dann kann sich der “Kesselstein” über längere Zeit infolge Verdunstung auf den Wurzeln als harte Kruste absetzen und so die Wurzeln schädigen! In der Düngerterminologie wird Calcium wohl nicht unbedingt als Makrroelement geführt, aber es ist unstrittig ein wesentlicher Bestandtteil der Pflanzen (Entgiftungsreaktion zum Calciumoxalat z.B.!) Ich sehe im übrigen auch einen großen Vorteil von Seramis darin, dass es eine Calciumquelle den Orchideen zur Verfügung stellt. Das ist daher zu Calciumnitrat sicherlich eine sehr gute wenn nicht die bessere Alternative. Allerdings kommt dem Calciumnitrat auch darüberhinaus noch eine pufferende Wirkung zu, die das Substrat immer auf einem schwach saurem Niveau hält – ideal für Orchideen!
Ich halte seit vielen Jahren Orchideen. Meines Erachtens kommt es beim Gießen und Düngen der Pflanzen sehr auf die regionalen Wasserverhältnisse und auf die Orchideenarten an.
Wir haben z. B. ein mittelhartes Wasser. Ich verwende zum Tauchen meiner Phalaenopsis Regenwasser, das im Winter mit Leitungswasser oder Aquarienwasser verschnitten ist. Ich dünge mit herkömmlichem Orchideendünger mit Spurenelementen in etwas geringerer Konzentration, als angegeben. Ich besprühe mit der “Düngebrühe” in der Wachstumszeit aller 14 Tage die Blätter und die obere Substratschicht. meine Frauenschuhe erhalten wesentlich mehr Leitungswasser. Härtere Arten werden im Kalthaus fast wie Kakteen behandelt.
Es gibt nicht d i e Behandlung. Viele Wege in einem bestimmten Rahmen führen nach Rom.
S. Schulze
Frage!?
Von einer Frau habe ich gehört dass sie ihre Orchideen nur mit Aquariumwasser gießt.
Wie sind eure Erfahrungen?
Kann man das wirklich empfehlen?
Bin eher etwas Skeptisch!
Gruß Birdid
Ohne Frage werden in der professionellen Orchideenproduktion die hier genannten hohen Düngekonzentrationen verwendet.
Allerdings vermisse ich den Hinweis über die restlichen Produktionsparameter: Temperatur, Zusatzbeleuchtung und Luftfeuchtigkeit…
Diese hohen Salzkonzentrationen werden bei Temperaturen von 25-28° C und Zusatzbeleuchtung für eine gewisse Zeit vertragen. In regelmäßigen Abständen (alle 2-4 Wochen) werden diese Orchideen zwischenzeitlich auch mit Regenwasser “gespült”.
Als Ausgangswasser dient fast immer Regenwasser oder ähnliches aufbereitetes Wasser.
In dieser relativ kurzen Zeit werden die Pflanzen regelrecht gepuscht, damit ein vernünftiges Preis / Leitungsverhältnis erzielten werden kann. Auch Orchideen werden eigentlich als Wegwerfartikel produziert.
Anders sieht es aber bei den Orchideenkunden aus: die möchten langfristig Freude an den Orchideen haben.
Bei der Kultur auf der Fensterbank können die o.g. optimalen Voraussetzungen nicht geboten werden. Dementsprechend ist auch die Düngerration entsprechend zu senken.